Sonntag, Oktober 19, 2025

Haiku 025 - Plage

Harter Pflug im Feld, 

Krähen folgen still dem Mann —

Herbstwind atmet nah.

Haiku 024 - Mühe

Im Tau der Mühen 

spiegelt sich die Morgenruh —

Schritte im Nebel.

Samstag, Oktober 18, 2025

18. Oktober 2025 - Stille und Rufen

Heute liegt der Tag wie ein sanftes Tuch über den Hügeln. 

Die Ruhe wird immer wieder von den Rufen der Damhirsche unterbrochen – ein wildes Echo, das sich durch den Herbstwald zieht und die Luft vibrieren lässt. Es ist ein Dialog zwischen Stille und Klang, zwischen der inneren Gelassenheit und der Natur, die unaufhaltsam ihren Rhythmus lebt. 

Jeder Ton mahnt, achtsam zu sein, und jedes Schweigen schenkt die Möglichkeit, den Atem zu hören, den die Welt selbst ausstößt. 

So wandert der Tag zwischen Lärm und Frieden, bis die Sonne sich neigt und der Wald in eine goldene Stille taucht.

Haiku 023 - Lärm

Ruhige Morgen,

Blätter flüstern mit dem Wind -

Hirsche rufen laut.

Haiku 022 - Stile

Zwischen Wald und Haus,

Stille ringt mit wildem Ton -

Herbst atmet gedämpft.

Freitag, Oktober 17, 2025

17. Oktober 2025 - Morgengrau und Wind

Der Tag kam ohne Drängen,

als hätte er vergessen, dass er beginnen sollte.
Zwischen den Häusern hing ein silbernes Schweigen,
ein Atemzug der Welt,
bevor sie wieder anfing zu sprechen.

Ein Vogel zog einen schmalen Strich ins blasse Blau,
und für einen Moment war alles aufgehoben –
Vergangenheit, Erwartung, Geräusch.
Nur das Licht blieb,
zart und wach,
wie eine Erinnerung an Frieden.

So schritt der Tag in seine eigene Melodie,
ein stilles Lied aus Tau, Atem und Zeit.

Haiku 021 - Wind

Wind trägt goldnen Hauch,

Zeit verrinnt in hellem Blau –

Herz lauscht still dem Licht.

Haiku 020 - Morgengrau

Tau im Morgengrau,

leise formt sich neues Sein –

Tag hebt seine Hand.

Donnerstag, Oktober 16, 2025

16. Oktober 2025 - Sonne und Nebel

Der Tag stand zwischen zwei Welten.

Im ersten Licht hing die Sonne wie ein stilles Geheimnis hinter grauen Schleiern.
Die Felder atmeten sanft,
als wüssten sie noch nicht, ob sie Tag oder Traum sind.

Ein milchiger Schimmer legte sich auf die Dächer,
verwandelte jedes Geräusch in ein fernes Echo.
Dann brach das Licht hervor – kein Triumph,
eher ein Versprechen, flüchtig und zärtlich.

So wanderte die Sonne über Nebelmeere,
tauchte alles in leises Gold.
Und wer an diesem Tag innehielt,
konnte spüren:
Auch Klarheit braucht den Schleier,
um zu leuchten.

Haiku 019 - Nebel

Nebel flieht dem Strahl,

Tau zerfällt in Funkenwind –

Tag erwacht im Glanz. 

Haiku 018 - Sonne

Sonne tastet sacht,

durch den Schleier milchig blass –

Morgen ruft im Dunst.

Mittwoch, Oktober 15, 2025

15. Oktober 2025 - Grau in Grau

Der Morgen trat leise auf,

sein Licht ein matter Schleier über den Dächern.
Die Luft roch nach Regen und Eisen,
nach Übergang und Rückzug.

In den Straßen tasteten Schritte nach Wärme,
doch der Herbst hielt still,
lauschte nur dem Rascheln der Zeit.
Bäume standen wie alte Zeugen,
ihre Kronen voll vergilbter Gedanken.

Ein Tag zwischen Sommer und Schweigen,
gezeichnet vom Atem des Wandels –
und irgendwo,
flog ein Vogel gegen Süden,
als wollte er das Jahr zu Ende singen.

Haiku - 017 - Kranichflug

Kranichflug im Grau, 

fern das Lied der Abschiede –

Wind trägt Erinnerung.

Haiku - 016 - Nebelschwer

Nebelschwer der Tag,

Blätter flüstern altes Lied –

Herbst atmet Geduld.

Dienstag, Oktober 14, 2025

14. Oktober 2025 - Melancholie für die Seele

Der Regen fällt, als hätte er etwas zu sagen, das niemand hören will. Tropfen zeichnen Spuren an der Fensterscheibe, langsam, beharrlich, wie Gedanken, die nicht loslassen. Der Himmel hängt schwer über den Dächern, und selbst die Bäume scheinen den Atem anzuhalten.

Ich sitze am Fenster, sehe hinaus, aber eigentlich in mich hinein. Irgendwo zwischen gestern und morgen liegt dieser Tag — farblos, gedämpft, und doch voller stiller Bedeutungen. Der Kaffee ist längst kalt geworden, doch ich rühre ihn weiter, aus Gewohnheit, nicht aus Hoffnung.

Draußen geht jemand vorbei, die Schultern hochgezogen, der Blick gesenkt. Ich kenne das Gefühl — dieses Weitergehen, obwohl nichts drängt, außer der Gedanke, dass Stillstand schlimmer wäre.

Und so lasse ich den Regen reden. Er spricht von Abschied, von Dingen, die man nicht ändern konnte, und von der seltsamen Ruhe, die bleibt, wenn alles gesagt ist.

Am Ende dieses Tages wird nichts geschehen, und gerade darin liegt sein Gewicht.

Haiku - 015 - Das Gegenteil

Feuer in der Brust, 

nichts bleibt von der alten Ruh —

Leben brennt mich wach.

Haiku 014 - Die andere Seite

Ein Herz schlägt im Schnee,

Tränen frieren unbewegt —

Liebe bleibt zurück.

Montag, Oktober 13, 2025

13. Oktober 2025 - Ein Tag mit gemischten Gefühlen

Heute, Mitte Oktober, liegt ein stilles Gewicht in der Luft. Der Morgennebel hält sich über den Feldern, als wolle er das Licht noch einen Moment zurückhalten. Und doch, irgendwo weit entfernt, lösen sich Schatten – die letzten Geiseln sind frei. Dieses Wort, frei, klingt fast zu hell für all das, was hinter ihnen liegt. Sie sind nicht unversehrt, nicht erlöst im vollen Sinn – aber sie leben. Und das allein ist schon eine Form von Wunder.

Manche Türen öffnen sich heute in Israel langsam, vorsichtig, als fürchteten sie, dass zu viel Freude den Schmerz vertreiben könnte. Mütter, Väter, Kinder, die sich wieder in die Arme fallen, zögernd, als müssten sie erst prüfen, ob dieser Augenblick wirklich real ist. Das Warten, das sich über zwei Jahre gedehnt hat, findet kein lautes Ende, sondern ein leises. Ein Zittern zwischen Atemzügen, ein Wiederfinden im Schweigen.

Ich denke an den Nebel über meinem Feld, wie er sich hebt, schwer und doch sanft. Vielleicht ist es dasselbe: eine Welt, die nach so viel Dunkel langsam wieder atmet. Keine Fanfaren, keine Siegesrufe – nur das zarte Geräusch von Leben, das zurückkehrt.

Und dann kommt die Trauer, ungerufen, aber treu. Für die, die nicht heimkehren, für das, was verloren ging und sich nicht zurückholen lässt. Ein Blatt fällt, irgendwo, lautlos. Der Herbst weiß, dass Abschied und Erlösung Geschwister sind.

Vielleicht ist das die Wahrheit dieses Tages: Erlösung ist kein Ende, sondern ein Übergang. Ein stilles, tastendes Hinübergehen vom Leid zur Möglichkeit. Heute Abend werden viele Menschen bei einer Tasse Tee sitzen, unfähig zu sprechen, aber mit einem Blick, der sagt: Du bist wieder hier. Und das genügt – für diesen Tag, für diesen Oktober, für einen winzigen Moment Menschlichkeit inmitten der Narben der Welt.

Haiku 013

Herbstmond, so fern still,

ein Blatt sinkt in dunklen Teich

Echo ohne Klang.

Haiku 012

Nebel hebt sich sacht 

über blankem, kühlen Feld

ruht die alte Zeit.