Donnerstag, Oktober 30, 2025

Haiku 046 – Schatten

Straßenlampen glühen,

lange Schatten folgen mir —

Nacht atmet leise.


Mittwoch, Oktober 29, 2025

29. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Die Welt fühlt sich an wie ein leeres Haus, in dem die Stimmen vergangener Tage noch nachhallen. Doch jeder Schritt auf dem knirschenden Laub erzählt: Vergänglichkeit ist nicht nur Ende, sie ist auch der Beginn von Neuem. Ein Sonnenstrahl bricht durch die Wolken und zeigt, dass selbst in der Stille Wandel möglich ist.

Haiku 045 – Erinnerung

Alte Tür quietscht leise,

Hauch von gestern in den Ritzen —

Zeit bleibt kurz stehen.


Haiku 044 – Vergängnis

Blatt fällt sacht zu Boden, 

Kreis schließt sich leise im Wind —

Nichts bleibt unberührt.


Dienstag, Oktober 28, 2025

28. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Die Abenddämmerung legt sich wie ein schwerer Mantel über die Stadt. Doch irgendwo zwischen Schatten und Stille blitzt ein Licht auf — so klein, dass man es fast übersieht. Dieses Licht, ein Funke, sagt: Es gibt immer noch Wege, die sich öffnen, selbst wenn der Tag zu Ende scheint.

Haiku 043 – Funke

Stern blinkt zwischen Wolken,

ein Flüstern in der Ferne —

Hoffnung kehrt zurück.


Haiku 042 – Abend

Dunkel senkt sich sacht,

Wolken wie schwere Samtvorhänge —

Stille füllt den Raum.


Montag, Oktober 27, 2025

27. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Der Regen klopft sanft an die Scheiben, als wollte er alte Erinnerungen wecken. Jeder Tropfen erzählt von Vergänglichkeit und zugleich von der Kraft, neu zu beginnen. Die Straßen glänzen nass, und für einen Moment erkenne ich: selbst im Grau kann Wärme wohnen, wenn man nur hinsieht.

Haiku 041 – Kerze

Flamme zittert leicht,

Fensterlicht im Regenmeer —

wärmt ein stilles Herz.

Haiku 040 – Fremde

Wind trägt Stimmen her,

durch leere Gassen verweht —

die Welt klingt entfernt.


Sonntag, Oktober 26, 2025

26. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Ein grauer Tag, an dem selbst die Geräusche sich zurückziehen. Alles wirkt eingefroren zwischen Atemzug und Schweigen. Doch in dieser Ruhe, so schwer sie scheint, liegt eine leise Einladung: hinzuschauen, was sonst übersehen wird. Ein kleiner Vogel hüpft am Rand des Teichs, als ob er sagen wollte: Leben findet immer seinen Weg.

Haiku 039 – Ruhe

Teich liegt still im Grau, 

Spiegel der kahlen Bäume —

Zeit hält kurz den Atem.

Haiku 038 – Schweif

Rauch steigt aus Schornstein,

zieht wie ein Gedanke fort —

verblasst im Himmel.

Samstag, Oktober 25, 2025

25. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Die Welt ist still, nur das Knirschen von Laub unter den Füßen erinnert daran, dass etwas lebt. Jeder Atemzug schmeckt nach kühler Erde und vergessenen Sommern. Doch während ich gehe, merke ich, dass selbst die Müdigkeit ihre eigene Schönheit hat: sie öffnet Augen für kleine Wunder, wie einen Vogel, der gegen die Dämmerung aufsteigt, oder das leise Lachen eines Kindes in der Ferne.

Haiku 037 – Erwachen

Ein Ast bebt leise, 

Sonnenstrahlen berühren ihn —

Neues Licht entsteht.

Haiku 036 – Verlassen

Leere Bank im Park,

Wind singt durch kahle Zweige —

Niemand hört das Lied.

Freitag, Oktober 24, 2025

24. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Der Wind trägt Blätter wie alte Briefe durch die Straßen. Jeder Schritt auf dem nassen Pflaster hallt leise, als würde er die Zeit selbst durchschneiden. Die Sonne hat heute nur einen schmalen Streifen Licht übrig, und selbst das wirkt wie eine flüchtige Erinnerung. Doch irgendwo in der Ferne, hinter den Häusern und dem Nebel, glänzt ein schwacher Schimmer. Ein Funke, der sagt: Auch im Grau kann etwas beginnen.

Haiku 035 – Schritt

Ein Schuhabdruck bleibt,

im feuchten Laub versunken —

zeigt den Weg zurück.

Haiku 034 – Nebel

Die Felder schweigen,

graue Schwaden wie Gespinste —

Morgen ohne Klang.

Donnerstag, Oktober 23, 2025

23. Oktober 2025 – Am Rand des Spätherbstes

Es ist ein später Tag im Oktober, und die Sonne scheint nur noch durch Erinnerung. Der Himmel hängt tief, als wolle er sich endlich auf die Erde legen, müde vom ewigen Schauen. Die Luft schmeckt nach Eisen und Regen, und in den Pfützen zittern die Schatten der Bäume wie alte Hände, die sich nach etwas Unsichtbarem ausstrecken.

Ich gehe durch eine Straße, die ich früher kannte. Nichts hat sich verändert, und doch scheint alles leerer geworden zu sein. Die Fenster, die Gesichter, selbst der Wind — als hätte jemand die Welt leise ausgehöhlt, um sie leichter zu machen für den Abschied.

Und da ist diese plötzliche Schwere, die sich von innen her ausbreitet, wie Wasser, das einen Raum füllt, bis kein Atem mehr bleibt. Ich denke an all die Stimmen, die nicht mehr sprechen, an die Orte, die zu Erinnerung verdorrt sind. Die Zeit trägt ihr schwarzes Kleid heute ohne Zögern.

Aber irgendwo zwischen den Scherben des Tages blitzt etwas auf — kaum spürbar, kaum greifbar. Ein Licht, das nicht von außen kommt. Vielleicht ist es nur die Müdigkeit, die plötzlich hell wird. Vielleicht auch der stille Trotz des Lebens, das sich weigert, zu enden, solange noch jemand hinsieht.

Ein Kind lacht am Ende der Straße.
Ein Vogel hebt ab, gegen die sinkende Dämmerung.
Und für einen Augenblick weiß ich: selbst der Herbst verneigt sich nicht, er wandelt sich — langsam, schweigend, hin zu etwas, das wieder blühen will.