Sonntag, November 09, 2025

Haiku 067 – Atem

Mein Hauch steigt empor,

verliert sich im Nebelmeer —

doch bleibt er ein Teil.


Haiku 066 – Bruch

Ast splittert im Frost,

der Klang bleibt lange im Wind —

Zerfall klingt nach Lied.


Samstag, November 08, 2025

8. November 2025 – Im Zimmer der Dämmerung

Die Dunkelheit kommt früher jetzt, als wolle sie sich selbst ausbreiten über das, was war. Ich sitze am Fenster, sehe das Licht verlöschen, und höre, wie der Regen leise erzählt.

Im Zimmer der Dämmerung ist nichts laut. Doch in dieser Lautlosigkeit beginnt die Seele zu flüstern. Sie spricht von Frieden, nicht vom Ende. Vom Ruhen, nicht vom Verschwinden.

Und draußen, hinter den Wolken, bleibt das Licht. Geduldig.

Haiku 065 – Kreis

Ein Blatt dreht sich sacht,

im Strudel eines Bachs fort —

Kreise schließen sich.


Haiku 064 – Wachs

Kerze tropft ins Glas,

Wachs fließt wie vergangne Zeit —

duftend, warm und still.


Freitag, November 07, 2025

7. November 2025 – Im Rückgrat der Tage

Manchmal scheint der November kein Monat, sondern eine Prüfung zu sein. Die Bäume stehen nackt, die Erde schweigt, und selbst die Gedanken sind schwer geworden. Doch irgendwo zwischen Kälte und Müdigkeit wächst etwas Unerwartetes — eine stille Stärke, die nichts beweisen muss.

Der Himmel bricht auf für einen Atemzug, und durch den Spalt fällt ein Strahl aus reinem Licht. Es reicht, um weiterzugehen.

Haiku 063 – Flügel

Im Nebel ein Schwarm,

zieht lautlos nach Norden fort —

Licht folgt ihrer Spur.


Haiku 062 – Tau

Kalter Tau im Gras,

wie Tränen, die verweilen —

morgen schmilzt ihr Glanz.


Donnerstag, November 06, 2025

6. November 2025 – Unter blassen Himmeln

Die Sonne zeigt sich kaum noch, und doch spüre ich ihr Dasein wie ein fernes Atmen über dem Grau. Alles ist in sanftes Schweigen gehüllt. Die Farben sind fort, die Welt hat sich in Nuancen aus Licht und Erinnerung verwandelt.

Ich sehe einen alten Mann am Straßenrand stehen. Er schaut nicht, er lauscht — vielleicht auf etwas, das die Zeit selbst verschluckt hat. Und plötzlich begreife ich: Wer still genug wird, hört das Leben selbst zwischen den Atemzügen weiterfließen.

Haiku 061 – Glas

Kalter Fensterschein,

Hauch der Stille bleibt daran —

ein Blick ins Draußen.


Haiku 060 – Schleier

Morgenhauch im Tal,

verliert sich im fahlen Licht —

Tag erwacht nur halb.


5. November 2025 – Am Tor des Winters

Ein Frosthauch zieht über die Felder, und das Licht ist so dünn, dass es fast durchsichtig scheint. Jeder Baum wirkt wie eine Erinnerung, die sich weigert zu vergehen. Ich spüre, wie die Welt in eine andere Ordnung übergeht — ruhiger, klarer, entkleidet von allem Überflüssigen.

Im Tor des Winters steht kein Wächter. Nur Stille. Doch in dieser Stille ruht eine unausgesprochene Einladung: hinüberzugehen, in das Ungewisse — mit offenen Augen und einem stillen Herzen.

Haiku 059 – Tor

Ein Krähenruf hallt,

über Felder ohne Ziel —

Tag sinkt in sich selbst.


Haiku 058 – Schattenpfad

Schritte im Nebel,

verschwimmen im feuchten Grund —

Zeit wird zu Atem.


Dienstag, November 04, 2025

4. November 2025 – Im Atem der Stille

Der Tag beginnt mit einem Schweigen, das nicht leer ist, sondern gefüllt von einem fast heiligen Stillstand. Nichts drängt, nichts flieht. Nur das Licht tastet sich vorsichtig an den Rand der Welt.

Ich höre mein eigenes Herz, spüre, wie langsam alles geworden ist — und wie notwendig. Vielleicht ist das die Weisheit des Novembers: nicht mehr zu eilen, sondern sich dem Fluss zu überlassen, der in die Tiefe führt. Und dort, ganz unten, schläft das Neue, verborgen wie ein Samenkorn unter kalter Erde.

Haiku 057 – Ferne

Hinter grauem Dunst

ruft ein unsichtbares Land —

Sehnsucht trägt den Klang.


Haiku 056 – Blattgold

Wind spielt mit dem Rest,

der vom Herbst geblieben ist —

ein leises Verglühn.


Montag, November 03, 2025

3. November 2025 – Am Rand des Lichts

Heute ist der Himmel klarer, aber das Licht hat eine Kälte, die nicht wehtut, sondern nur erinnert. Die Farben sind verschwunden, und was bleibt, ist reine Form. Ich gehe langsam durch den Wald, und der Frost knistert unter meinen Schritten.

Manchmal glaube ich, der November sei keine Zeit, sondern ein Zustand: das Schweigen nach einem Lied, das noch im Herzen nachhallt. Doch in diesem Schweigen liegt Trost. Denn wo nichts mehr laut ist, kann das Herz sich selbst wieder hören.

Ein Vogel ruft in der Ferne. Es klingt wie eine Frage — und zugleich wie eine Antwort.

Haiku 055 – Riss

Zwischen zwei Sekunden

öffnet sich ein tiefer Riss —

daraus wächst das Licht.


Haiku 054 – Stein

Kalter Stein im Bach,

spiegelt grauen Himmel still —

Zeit rinnt über ihn.