Montag, November 17, 2025

Haiku 083 – Schimmer

Fern ein stiller Schein,

als brenne im Nebelraum

ein ungehörtes Lied.


Haiku 082 – Dämmerpfad

Schritte im Halblicht,

blass die Spur im nassen Moos —

Tag sinkt ohne Hast.


Sonntag, November 16, 2025

16. November 2025 – Im stillen Atem des Übergangs

Kein Tag, kein Nacht. Nur Schweben.
Die Welt hält den Atem an, und in dieser Pause atmet das Unsichtbare.
Ein Blatt hängt noch — zitternd, festhaltend, unwissend.
Dann löst es sich.

Kein Wind. Kein Laut. Nur das sanfte Fallen.
Und dieses Fallen — es ist kein Verlust. Es ist Heimkehr.
Denn alles, was fällt, fällt in die Hände der Zeit.
Und die Zeit, so still sie auch scheint, trägt uns.

Haiku 081 – Übergang

Licht im Nebelmeer,

löst sich, ohne zu verliern —

Frieden ohne Form.

Haiku 080 – Schwebe

Zwischen Blatt und Fall

hält die Welt den Atem an —

Zeit verlernt Gewicht.



15. November 2025 – Am Rand des Wartens

Ich spüre, wie der Monat sich sammelt, als würde er Atem holen vor dem großen Fallen. Alles scheint in Vorbereitung — die Bäume, der Himmel, selbst der Schlaf.

Vielleicht ist dies die Schwelle, an der Stille zur Gebärde wird. Eine langsame Geste der Hingabe an das, was kommt. Und irgendwo in diesem Schweigen keimt schon das Leuchten des Advents — nicht hell, nicht laut, aber da.

Haiku 079 – Regenlicht

Fenster träumt im Grau,

eine Lampe brennt darin —

Wärme wider Kälte.


Haiku 078 – Schwelle

Tür bleibt halb geöffnet,

Wind streift über alte Haut —

Zeit hält kurz den Schritt.


14. November 2025 – Unter schweigenden Himmeln

Die Tage fließen ohne Kante, weich und formverloren. Zwischen Morgen und Abend liegt kaum mehr Unterschied. Doch gerade in dieser Gleichheit finde ich Trost — weil sie erlaubt, nichts sein zu müssen. Nur da zu sein.

Ein Kind lacht irgendwo. Der Ton trägt weit im Nebel. Es klingt wie ein Versprechen, das niemand laut ausgesprochen hat — und doch in uns allen wohnt.

Haiku 077 – Atemzug

Ein Kind haucht ins Glas,

zeichnet Kreise, löscht sie fort —

Leben bleibt im Dunst.


Haiku 076 – Grau

Himmel ohne Rand,

alles schwebt im Übergang —

Tag verlernt den Glanz.


Donnerstag, November 13, 2025

13. November 2025 – Am Rand des Vergessens

Ich sitze am Feuer, und das Knistern erinnert mich an Stimmen, die längst verklungen sind. Der Rauch zieht aufwärts, verwebt sich mit dem Abend. So lösen sich auch Erinnerungen — nicht verschwinden sie, sie steigen nur höher, ins Unsichtbare.

Vielleicht ist Erinnerung kein Besitz, sondern eine Bewegung: etwas, das uns verlässt, um uns zugleich zu tragen. Und manchmal — in einem flackernden Moment — kehrt sie zurück als Licht auf unserer Haut.

Haiku 075 – Flamme

Im Kamin ein Laut,

wie von altem Holz erzählt —

Wärme aus der Zeit.


Haiku 074 – Faden

Spinne webt ihr Netz,

zwischen zwei vergessnen Zweigen —

Licht fängt sich darin.


Mittwoch, November 12, 2025

12. November 2025 – In den Gärten der Müdigkeit

Heute liegt eine sanfte Erschöpfung über der Welt. Selbst die Farben scheinen müde, als wollten sie sich hinlegen auf das graue Tuch der Zeit. Ich gehe langsam durch einen verlassenen Park, und alles flüstert vom Ende.

Aber in der Mitte dieses Endes ruht etwas Kostbares: ein Gefühl von Frieden. Der November bringt keine Tränen, er bringt die Einsicht, dass jedes Vergehen ein Teil des großen Atems ist.

Haiku 073 – Kerngold

Apfel fällt, zerspringt,

sein Duft bleibt noch im Schatten —

Süße Nachklangzeit.


Haiku 072 – Schleife

Wind dreht altes Laub,

als übte er Erinnerung —

Tanz der Vergängnis.


Dienstag, November 11, 2025

11. November 2025 – Im Schweigen des Lichts

Es ist ein Tag aus Glas. Alles schimmert, doch nichts klingt. Der Frost hat selbst den Atem der Erde gefangen, und in dieser Starre offenbart sich eine seltsame Schönheit — die Schönheit des Aushaltens.

Ich bleibe stehen und sehe, wie das Licht in winzigen Kristallen spielt. Es ist kaum Bewegung, kaum Leben — und doch, etwas darin lebt. Vielleicht ist es das, was Hoffnung wirklich meint: nicht der Ausbruch, sondern das stille Beharren im Dasein.

Haiku 071 – Ferne

Horizont erbleicht,

ein letzter Vogel schweigt dort —

Abschied ohne Wort.


Haiku 070 – Frost

Zweig trägt stillen Glanz,

Eiskristalle singen leis —

Tag atmet im Blau.