Schritte schreiben leis
Zeilen in das frische Weiß —
kurzes Tageslied.
Der Abend kommt früh, als wäre er müde. Und doch ist in ihm ein Trost: Lichter werden wichtiger, kleiner, näher.
Ich gehe durch die Straßen und sehe in manchen Fenstern eine einzelne Kerze stehen. Und diese kleinen Flammen tragen mehr Wärme als der Tag.
Vielleicht brauchen wir die Nacht, um zu erkennen, wer wir sind, wenn es dunkel wird.
Fenster glimmt im Grau,
ein kleines Licht trotzt der Nacht —
Mensch gegen das All.
Heute fällt der Schnee so zärtlich, dass selbst das Schweigen weicher wird. Ich stehe unter diesem ruhigen Sinken, und es fühlt sich an, als würde die Welt versuchen, uns zu trösten.
Vielleicht ist Schnee die Art der Zeit, uns zu sagen:
Nichts fällt wirklich.
Alles landet.
Die Weite wirkt heute größer. Vielleicht, weil der Schnee das Land geöffnet hat. Vielleicht, weil der Himmel selbst ein wenig näher gerückt ist.
Ich spüre, wie jeder Schritt mich tiefer in diese Stille führt. Kein Verlust, kein Schmerz — nur Weite, und ein Atem, der für mich mitatmet.
Der Himmel ist heute ungewöhnlich klar, fast unbedeckt. Die Welt wirkt entrückt in diesen reinen Farben, als hätte sie sich selbst gelöst von allem, was zu schwer war.
Ich trete in den ersten dünnen Schnee. Er trägt mich, kaum, aber er trägt. Und das genügt, um zu wissen: Auch die zartesten Dinge können halten.
Der Winter kommt ohne Laut. Er tritt nicht ein, er erscheint. Ein feiner Hauch nur, ein Schimmer an den Rändern der Welt. Und plötzlich ist alles verwandelt: der Atem sichtbarer, das Licht tiefer, das Herz ruhiger.
Ich stehe im ersten Morgen dieses Monats, und er fühlt sich an wie ein leises Aufatmen. Der November hat mich müde gemacht. Doch heute, in der klaren Kälte, keimt ein neuer Funke. Vielleicht beginnt Hoffnung immer im Stillsten.
Der Monat endet, doch nichts schließt sich. Der November verneigt sich, wie ein alter Freund, der weiß, dass sein Abschied nicht endgültig ist.
Ich spüre die Nähe des Winters, aber auch die Wärme, die dieser Nähe innewohnt: jene seltsame Gewissheit, dass jedes Ende ein Tor ist, und das Dunkel nur die Form ist, in der das Licht seine Ankunft vorbereitet.
Ich atme tief, die Luft schneidet, doch sie trägt auch Süße. Und in diesem einen Atemzug weiß ich:
Das Kommende ist nicht schwer.
Es ist nur neu.