Donnerstag, Dezember 18, 2025

18. Dezember 2025 – Unter schwerem Himmel

Ein schwerer Himmel muss nicht bedeuten, dass der Tag dunkel ist. Es ist eine andere Art von Licht — gedämpft, getragen, wie ein tiefer Klang.

Ich spüre, wie meine Gedanken langsamer werden. Und in dieser Langsamkeit entsteht Klarheit.

Haiku 145 – Glutrest

Trotz des trüben Lichts

brennt in mir ein warmer Kern —

Winter lässt ihn frei.


Haiku 144 – Last

Wolken tief und grau,

drücken fast auf meine Stirn —

Tag seufzt leis vor sich.


Mittwoch, Dezember 17, 2025

17. Dezember 2025 – Am ruhenden Fluss

Der Fluss wirkt heute wie ein Auge, das in die Welt hinausblickt. Klar, ruhig, unaufgeregt.

Ich bleibe lange stehen und sehe zu, wie ein einzelnes Blatt im Wasser treibt. Irgendwie tröstlich: Auch das Kleinste findet seinen Weg.

Haiku 143 – Spiegelruh

Wasser ruht so still,

dass der Himmel sich hineinlegt —

Welt wird doppelt klar.


Haiku 142 – Eishaut

Dünnes Eis am Rand,

zittert unter leisem Wind —

Grenze, die nicht hält.


Dienstag, Dezember 16, 2025

16. Dezember 2025 – In der sanften Frühe

Der Morgen trägt einen feinen, goldenen Ton. Ich sehe den Schnee glitzern, höre aber nichts. Diese Mischung aus Licht und Lautlosigkeit berührt mich tiefer als gedacht.

Es ist ein Tag, der uns ruft — nicht laut, sondern sanft, aber unmissverständlich.

Haiku 141 – Wegruf

Vogel hebt sich kurz,

streift die Stille mit dem Flügschlag —

Tag wird eingelöst.


Haiku 140 – Schimmer

Erstes Licht auf Schnee,

glänzt wie Atem Gottes fast —

Fläche wird zu Glanz.


Montag, Dezember 15, 2025

15. Dezember 2025 – An der Schwelle des Schweigens

Heute wirkt die Welt wie in einen Schleier gehüllt. Nicht verborgen — nur sanft zurückgenommen.

Ich atme tief ein und fühle, wie das Schweigen mich vollständig umarmt. Unaufgeregt. Zärtlich.
Manchmal ist Schweigen keine Abwesenheit, sondern Präsenz.

Haiku 139 – Schleier

Dunst im Winterlicht,

zieht wie weiche Haut durchs Dorf —

Tag trägt stillen Duft.


Haiku 138 – Klarlaut

Frost knackt unterm Schritt,

als würd die Erde leise

sprechen zum Morgen.


Sonntag, Dezember 14, 2025

14. Dezember 2025 – Im Zittern des Nordwinds

Der Nordwind trägt seine eigene Geschichte. Er kommt von weit her, unverhandelbar, klar. Doch er bringt nicht nur Kälte, sondern auch ein Gefühl von Wachheit.

Ich sitze am Fenster, sehe den Sturm vorüberziehen und merke, wie mein eigenes Inneres ruhiger wird. Vielleicht, weil Gegensätze sich gegenseitig ordnen.

Haiku 137 – Innenlicht

Draußen tobt der Wind,

doch im Raum ein warmer Schein —

Zwei Welten im Gleich.


Haiku 136 – Kälteflug

Wind treibt Schnee dahin,

über Dächer, über Wege —

Winter hat Geduld.


Samstag, Dezember 13, 2025

13. Dezember 2025 – Am Tor der Nacht

Der Abend kommt früh, aber nicht hart. Er schiebt sich still vor die Häuser und lässt die Lichter mehr Bedeutung tragen. Ich sehe Menschen an Fenstern sitzen und frage mich, welche Gedanken ihnen heute Gesellschaft leisten.

Die Nacht ist nicht bedrohlich — sie ist ein Raum. Und in diesem Raum darf alles sein, was tagsüber keinen Platz fand.

Haiku 135 – Raum

Dunkel wird zum Feld,

das die Seele still betreibt —

Weite ohne Rand.


Haiku 134 – Flimmer

Straßenlicht im Dunst,

zittert sanft im frühen Abend —

Kleine Sonne bleibt.


Freitag, Dezember 12, 2025

12. Dezember 2025 – Unter schwebendem Weiß

Der Schnee fällt so dicht, dass alles verschwimmt — nicht im Sinne von Verlust, sondern von Frieden. Linien werden weich, Geräusche gedämpft, Zeit langsamer.

Ich gehe durch diese mild verhüllte Welt und denke: Vielleicht braucht das Herz manchmal genau diese Unschärfe, um sich selbst wiederzufinden.

Haiku 133 – Deckkraft

Dichter wird die Welt,

wenn Weiß sich über Farben legt —

Tiefe ohne Ton.