Sonntag, Dezember 21, 2025

21. Dezember 2025 – Zur längsten Nacht

Die längste Nacht ist keine Drohung. Sie ist ein Wendepunkt. Ein Atemholen der Welt.

Ich sitze im Halbdunkel und spüre, wie etwas in mir ganz ruhig wird. Morgen beginnt das Licht seinen Weg zurück. Und dieser Gedanke trägt mich weiter als alles andere.

Haiku 151 – Tiefnacht

Winterherz schlägt leis,

in der längsten Nacht des Jahrs —

Stille hält die Zeit.


Haiku 150 – Wendung

Sonne zieht sich heim,

legt das Jahr in dunkle Hände —

Licht hat seinen Grund.


Samstag, Dezember 20, 2025

20. Dezember 2025 – Am Klang des Winters

Heute höre ich den Winter deutlicher als sonst. Der Frost singt, der Wind flüstert, der Schnee knirscht. Alles zusammen ergibt ein feines, unerwartetes Orchester.

Ich lausche. Und plötzlich fühlt sich selbst das Alleinsein wie ein Gespräch an.

Haiku 149 – Schrittmaß

Knirschen unter Fuß,

reines Lied aus alten Tagen —

Gehen wird Musik.


Haiku 148 – Frosthauch

Wind berührt mein Ohr,

klingt wie fernes Silberglas —

Winter spricht in Tönen.


Freitag, Dezember 19, 2025

19. Dezember 2025 – Im Atem des Abends

Der Abend kommt weich, wie eine Decke aus Samt. Die Häuser dämmern still vor sich hin, Menschen gehen langsamer.

Ich laufe durch die Straßen und merke, wie der Tag von mir abfällt. Nichts drängt. Und vielleicht ist genau das der wahre Luxus.

Haiku 147 – Weichfall

Dunkel legt sich sacht

über die erschöpfte Stadt —

Ruhe findet Raum.


Haiku 146 – Scheinpfad

Laternen am Weg,

webend goldene Fäden —

Abend wird zum Gang.


Donnerstag, Dezember 18, 2025

18. Dezember 2025 – Unter schwerem Himmel

Ein schwerer Himmel muss nicht bedeuten, dass der Tag dunkel ist. Es ist eine andere Art von Licht — gedämpft, getragen, wie ein tiefer Klang.

Ich spüre, wie meine Gedanken langsamer werden. Und in dieser Langsamkeit entsteht Klarheit.

Haiku 145 – Glutrest

Trotz des trüben Lichts

brennt in mir ein warmer Kern —

Winter lässt ihn frei.


Haiku 144 – Last

Wolken tief und grau,

drücken fast auf meine Stirn —

Tag seufzt leis vor sich.


Mittwoch, Dezember 17, 2025

17. Dezember 2025 – Am ruhenden Fluss

Der Fluss wirkt heute wie ein Auge, das in die Welt hinausblickt. Klar, ruhig, unaufgeregt.

Ich bleibe lange stehen und sehe zu, wie ein einzelnes Blatt im Wasser treibt. Irgendwie tröstlich: Auch das Kleinste findet seinen Weg.

Haiku 143 – Spiegelruh

Wasser ruht so still,

dass der Himmel sich hineinlegt —

Welt wird doppelt klar.


Haiku 142 – Eishaut

Dünnes Eis am Rand,

zittert unter leisem Wind —

Grenze, die nicht hält.


Dienstag, Dezember 16, 2025

16. Dezember 2025 – In der sanften Frühe

Der Morgen trägt einen feinen, goldenen Ton. Ich sehe den Schnee glitzern, höre aber nichts. Diese Mischung aus Licht und Lautlosigkeit berührt mich tiefer als gedacht.

Es ist ein Tag, der uns ruft — nicht laut, sondern sanft, aber unmissverständlich.

Haiku 141 – Wegruf

Vogel hebt sich kurz,

streift die Stille mit dem Flügschlag —

Tag wird eingelöst.


Haiku 140 – Schimmer

Erstes Licht auf Schnee,

glänzt wie Atem Gottes fast —

Fläche wird zu Glanz.


Montag, Dezember 15, 2025

15. Dezember 2025 – An der Schwelle des Schweigens

Heute wirkt die Welt wie in einen Schleier gehüllt. Nicht verborgen — nur sanft zurückgenommen.

Ich atme tief ein und fühle, wie das Schweigen mich vollständig umarmt. Unaufgeregt. Zärtlich.
Manchmal ist Schweigen keine Abwesenheit, sondern Präsenz.

Haiku 139 – Schleier

Dunst im Winterlicht,

zieht wie weiche Haut durchs Dorf —

Tag trägt stillen Duft.